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Team

trauma und leben im alter
Regionalstelle Westfalen-Lippe

Sudbrackstraße 36a
33611 Bielefeld
Telefon: 0521 557 34 64
E-Mail: info@trauma-leben-alter-wl.de

Sie erreichen uns telefonisch während unserer Sprechzeiten:
Montag – Donnerstag 9.30-12.00 und 13.00-16.00 Uhr, Freitag 9.30-12.00 Uhr.

Ihre Ansprechpartnerinnen:

 „In unserem Netzwerk mitzuarbeiten, heißt, sich für den Austausch zu öffnen. Wir bieten in der Region Westfalen-Lippe ein Forum für Verständigung, damit bei allen Beteiligten die Handlungssicherheit wachsen kann…“

Anke Lesner, Leiterin der Regionalstelle Westfalen-Lippe

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In meiner praktischen Arbeit mit Menschen aller Generationen und Lebenslagen erlebe ich immer wieder, welche weitreichenden und langfristigen Folgen Gewalt haben kann: Wie sehr traumatische Ereignisse das weitere Leben einer Person und die Beziehungen zu anderen beeinträchtigen können, und wie sehr spezifische Themen mit Tabu und Schweigen verbunden sind. Ich möchte der Sprachlosigkeit im Rahmen meiner Tätigkeit in der Landesfachstelle durch Sensibilisierung, Informationsvermittlung und dem gemeinsamen Austausch entgegenwirken. Wir wollen Impulse zum Thema geben und gleichzeitig Anregungen und inhaltliche Entwicklungen oder Veränderungen aus der Praxis mitgeteilt bekommen. Meine Erfahrungen zeigen, dass viele Menschen in unterschiedlichsten Kontexten – individuell, familiär, ehrenamtlich oder professionell – mit dem Thema zu tun haben, aber oftmals allein damit bleiben. Diese Isolation bedeutet: Jeder bleibt für sich, weiß nicht, wie es mit dem Thema weitergehen kann oder welche Möglichkeiten der Unterstützung es gibt. Mein Wunsch ist es, unterschiedliche Professionen, Arbeitskontexte und Haltungen miteinander in Kontakt zu bringen und die Handlungssicherheit zu festigen.

Handlungssicherheit und Vernetzung sind das Ziel
Als Landesfachstelle wollen wir den Kreis der Kooperations- und Vernetzungspartner*innen erweitern und verstetigen. Uns geht es dabei vor allem um Sensibilisierung und um niedrigschwellige Angebote für potenzielle Kooperationspartner*innen, die sich bisher noch nicht damit beschäftigt haben. In einem solchen Netzwerk mitzuarbeiten, heißt, sich für den Austausch zu öffnen. Es ist ein Forum für Verständigung über Themen, die sich in der Praxis entwickeln. Ein Erfolg wäre es, wenn sich Einrichtungen z.B. bereit erklären, auf der interaktiven Netzwerkkarte dabei zu sein oder die Beschäftigung mit dem Thema kontinuierlich zu betreiben. Vernetzung beinhaltet für mich immer Verbindlichkeit und Kontinuität.

Anke Lesner
Diplompädagogin, Systemische Therapeutin und Supervisorin, Fachberaterin für Psychotraumatologie, Alterspsychotherapeutin. Seit 1999 als Mitarbeiterin von Wildwasser Bielefeld e.V. mit dem Thema „Traumatisierung durch sexualisierte Gewalt“ beschäftigt, seit 2004 zum Schwerpunkt „Gewalterfahrungen heute alter Frauen“. Von 2013 bis 2016 Projektleitung „Alter und Trauma“. Dozentin an Psychologischen Psychotherapieausbildungsinstituten und am IGP Institut für Gerontopsychiatrie; Fachveröffentlichungen zum Thema „Alter und Trauma“.

 „Wer Menschen begleitet, die schwer traumatisiert wurden, wird auch selbst mit dem Schrecken konfrontiert. Umso wichtiger ist es, dass man sein ganz eigenes Maß an Überforderungen, Macht- und Hilflosigkeit kennt – und in der Arbeit mit alten Menschen die nötige Unterstützung bekommt. Dazu können wir beitragen…“

Sonja Jung, Mitarbeiterin in der Regionalstelle Westfalen-Lippe

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Ich arbeite seit 1993 zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen bei Wildwasser e.V., seit 2004 mit dem Fokus auch auf ältere Frauen und Trauma. Immer schon war ich beeindruckt, wie nachhaltig Folgen von Gewalt sein können, wie traumatische Erfahrungen eben auch im späteren Leben mit 50, 70 oder 80 Jahren reaktiviert oder aktualisiert werden können.
Die Frauenbewegung hat in den 60ger Jahren dazu beigetragen, das Ausmaß von sexualisierter Gewalt öffentlich zu machen. Heute ist die allgemeine Öffentlichkeit bereiter geworden, dies zur Kenntnis zu nehmen. Enthüllungen von Gewalt in Heimen, Schulen, in kirchlichen Institutionen und auch in der Öffentlichkeit haben in den letzten Jahren die Brisanz aufgezeigt. Und es wurde sehr deutlich, wie nachhaltig Gewalt wirkt und die Biografie von Betroffenen davon geprägt werden kann.

Sekundärtraumatisierungen vorbeugen
Weniger im Blick waren Zeuginnen, Beteiligte oder Angehörige. Ich selbst arbeite seit 2008 u.a. auch als Lehrerin für “Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ mit Menschen, die mit den Betroffenen arbeiten. Profis wie Angehörige brauchen viel früher Unterstützung, damit sie den Anforderungen gerecht werden können. Wer mit Menschen zu tun hat, die schwer traumatisiert wurden, diese engagiert und empathisch begleitet, wird auch selbst mit dem Schrecken konfrontiert. Und dazu kommen Rahmenbedingungen, bei denen selbst Supervision und Fortbildung an Grenzen stoßen. Es ist wichtig, mit dem eigenen Maß an Überforderungen, Macht- und Hilflosigkeit umgehen zu lernen, da diese ansonsten krankmachen können – bis hin zur Erschöpfungsdepression, dem so genannten Burn-Out.
Wir arbeiten daran, das Bewusstsein dafür wachzuhalten und Unterstützung nachhaltig zu verbessern und zu etablieren.

Sonja Jung
Sozialpädagogin, Feministische Sozialtherapeutin, Fachberaterin für Psychotraumatologie, MBSR-Lehrerin (Lehrerin für Stressbewältigung durch Achtsamkeit), langjährige Erfahrung in der Beratung und Begleitung von Frauen, die durch sexualisierte Gewalt traumatisiert wurden bei dem Verein Wildwasser Bielefeld e.V.

„Traumasensibel sein bedeutet, offen zu sein für alle Wahrnehmungen und auch Ambivalenz zuzulassen. Dann schließt sich nicht aus, zum Beispiel das Entsetzen einer Katastrophe in sich zu tragen und mit Kraft ein Überleben zu gestalten. Als Landesfachstelle machen wir diese Traumasensibilität zum Thema …“

Ruth Pohl-Grund, Mitarbeiterin in der Regionalstelle Westfalen-Lippe

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Ein grundlegendes Motiv für meine Arbeit in der Landesfachstelle ist, das Thema Trauma und die Begegnung mit Traumatisierung und ihren Folgen für Ambivalenz, für Widersprüchlichkeit zu öffnen. Wir müssen uns meist entscheiden: Bin ich jetzt schwach oder stark? Bin ich traurig oder froh? Wir denken, wer Schreckliches erlebt hat, leidet darunter. Wir haben oft genaue Bilder davon im Kopf, wie Leiden aussieht, oder Trauer, oder Angst. Aber werden die Bilder und Erwartungen dem gerecht, wie Gefühle sich ausdrücken? Verstellen die Bilder womöglich den Blick?
Ich glaube, dass es hilfreich ist und eigentlich auch viel mehr unserem Erleben entspricht, sich gleichzeitig unterschiedlich zu fühlen: ängstlich, mutig, unsicher, energisch, schockiert, aggressiv, verzweifelt, entschlossen.
In diesem Sinn bedeutet Traumasensibilität, offen für alle Wahrnehmungen zu sein und Ambivalenz zuzulassen. Dann schließt sich nicht aus, zum Beispiel das Entsetzen einer Katastrophe in sich zu tragen und mit Kraft ein Überleben zu gestalten.

Ziel: Traumasensibilität lernen?!
Während meiner Tätigkeit in der Betreuung und Pflege alter Menschen hatte ich das Glück, einer sehr erfahrenen und zudem sensiblen Kollegin zu begegnen. Sie hatte einen „Siebten Sinn“ für die Bedürfnisse der alten Menschen und für mögliche Hintergründe. Ich stand am Anfang meines Berufslebens und profitierte sehr hiervon: Viele meiner Eindrücke und Erfahrungen konnten über die unmittelbare Pflegesituation hinaus einen weiteren Zusammenhang finden, Ängste in der Nacht zum Beispiel oder die Abwehr bei Versorgung. Wertvoll und progressiv waren auch die Ideen der Kollegin, wie sich individuelle Bedürfnisse und Pflegealltag zusammenbringen lassen: achtsam und praktikabel.
Die Landesfachstelle kann daran mitwirken, dass Ausbildungsstätten – Pflegeschulen ebenso wie Hochschulen mit Studiengängen des Gesundheits-, Pflege- und des Sozialwesens – Traumasensibilität zum Thema machen und in den Curricula verankern.
Mit diesem Anliegen nehmen wir in der Landesfachstelle neben der Generation deutscher Kriegsgeborener auch weitere Gruppen und ihre spezifischen Erfahrungen in den Blick: Zum Beispiel ehemalige Heimkinder, Migrant*innen oder heute Flüchtende.

Ruth Pohl-Grund
Master of Arts in Geschlechterforschung, Diplom Soziale Arbeit, Traumazentrierte Fachberatung. Schwerpunktthemen sind unter anderem Schutz und Zuflucht: feministische Anti-Gewaltarbeit, traumaspezifische Beratung, Asylarbeit. Mit den Themen Alter und Trauma seit vielen Jahren auf unterschiedliche Weise verbunden: als Tochter, Nichte und Enkelin, beruflich als Pflegekraft und als Beraterin.

 „Vernetzung lässt sich initiieren und verstetigen, wenn wir es schaffen, immer wieder Neugier für das Thema zu wecken. Menschen in der Pflege, in anderen beruflichen Feldern sowie Angehörigen sollen wissen, welche Unterstützung sie durch uns für ihre Arbeit bekommen können…“

Eva Kuhlmann, Mitarbeiterin in der Regionalstelle Westfalen-Lippe

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In Institutionen gibt es nach wie vor Bedenken, dass im stressigen Pflegealltag „schon wieder“ neue Anforderungen gestellt werden. Wir müssen klarmachen: Hier geht es nicht um eine weitere Schulung, die man nachweisen muss und die im schlechtesten Fall danach in der Schublade verschwindet. Traumasensibel zu arbeiten, kann die Arbeit erleichtern.
Zurzeit interessieren sich bereits Fachkräfte aus der unmittelbaren Pflegepraxis oder von Pflegeschulen für Fortbildung und Kooperation. Unser Ziel ist es aber auch, große Institutionen zu erreichen, um dann gemeinsam in den Arbeitsstrukturen etwas verändern zu können. Als Supervisorin weiß ich: Wenn man etwas nachhaltig verändern möchte ist es wichtig, auch bei der Führungsebene einer Institution anzusetzen. Das kann eine Hürde bedeuten, weil mit der Öffnung für unser Thema Veränderungsbedarf auch von Strukturen deutlicher wird. Aber Strukturen traumasensibel zu verändern, kann eine Chance für ressourcenorientiertes Arbeiten bedeuten. Wir arbeiten daran, in der Projektzeit die Aufmerksamkeit für das Thema und unser Angebot zu erhöhen und zu halten.
Angehörige erreichen wir am besten über die Öffentlichkeit. Das zeigen die Reaktionen nach Veranstaltungen oder Auftritten im Fernsehen oder in der Presse. Darum gehört zu unseren Aktivitäten weiterhin eine hohe Präsenz in der – nicht nur medialen – Öffentlichkeit; zum Beispiel auf Senior*innenmessen oder Gesundheitstagen, die sich an alle älteren Menschen richten.

Eva Kuhlmann
Supervisorin (DGSv)*, Master- und Lehrcoach (ISP/DGfC), traumazentrierte Fachberaterin, Pädagogin, Bankkauffrau. Von 2013 bis 2016 Mitarbeiterin im Projekt „Alter und Trauma“. Als Verwaltungsfachkraft und Assistentin der Projektleitung der Regionalstelle Westfalen-Lippe bringe ich neben meinen kaufmännischen Qualifikationen auch meine Erfahrung als Supervisorin ein zum Beispiel bei der Konzeption für Formate, um die Vernetzung voranzubringen.

Laura Braune
Jg. 1983, Diplompädagogin, Systemische Beraterin, Traumazentrierte Fachberaterin (in Elternzeit)