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Träger Paula e.V.

Die Landesfachstelle Trauma und Leben im Alter – Traumasensibler Umgang mit alten Menschen NRW, Regionalstelle Nordrhein wird getragen von Paula e.V. in Köln.

Ziel des 2010 gegründeten Vereins Paula e. V. ist es, die psychische, physische und soziale Situation von Frauen über 60 Jahren, die Gewalt – in welcher Form auch immer – erleben oder in der Vergangenheit erlebt haben, zu verbessern. Dies soll erreicht werden über Therapie-, Beratungs- und Kontaktangebote für betroffene Frauen und ihre Angehörigen.

Da ältere bis hochaltrige Frauen potentiell von Krankheit und oder Pflegebedürftigkeit betroffen sind, stehen darüber hinaus die Verbesserung der Pflege und Betreuung in Pflegeeinrichtungen im Fokus. Die Entwicklung von Qualitätsstandards sowie Beratungs-, Fortbildungs- und Supervisionsangebote für Gesundheitsfachkräfte sollen einen traumasensiblen und Resssourcen stärkenden Umgang mit von Gewalt betroffenen älteren Frauen fördern.

Hierzu ist der Verein in verschiedenen Bereichen tätig.

Beratung für betroffene Frauen und Angehörige

Paula e. V. unterhält in der Kölner Südstadt eine Beratungsstelle für Frauen ab 60 Jahren mit telefonischer und persönlicher Beratung nach Terminabsprache. Die Beratungsstelle richtet sich an Frauen, die in der Vergangenheit Traumata und Gewalt erlebt haben und sich heute noch dadurch belastet fühlen. Darüber hinaus unterstützt die Beratungsstelle Frauen, die aktuell unter Gewalt, Verlust, schweren Erkrankungen oder anderen traumatischen Erfahrungen leiden. Darüber hinaus unterhält die Beratungsstelle Kontakte zu zahlreichen Netzwerkpartner*innen und vermittelt bei Bedarf weitergehende Beratungs-, Pflege-, Therapie- und sonstige Angebote. Neben betroffenen Frauen können auch Angehörige die Angebote der Beratungsstelle in Anspruch nehmen.
Da Pflege und Hilfebedürftigkeit ältere Frauen häufig an frühere Ohnmachtserlebnisse erinnert, kommt es während der Pflege, medizinischen Behandlung, der Beratung oder Therapie oftmals zu Verhaltensweisen, denen Fachkräfte möglicherweise hilflos gegenüberstehen. Verhaltensweisen der betroffenen Frauen können z. B. das Abwehren von Pflegemaßnahmen und Hilfsangeboten, Nahrungsverweigerung, aggressives oder apathisches Verhalten sein.
In der Konfrontation mit den unterschiedlichen Gewalterlebnissen im Leben älteren Frauen kann es zudem vorkommen, dass Fachkräfte eine eigene Betroffenheit spüren und selbst Unterstützung benötigen. In einer telefonischen Beratung oder einem persönlichem Beratungsgespräch erhalten Fachkräfte direkte Hilfe oder Vermittlung zu weiteren Unterstützungsstellen.

In der Beratung und / oder der Pflege mit den von Gewalt betroffenen älteren Frauen kann es auch notwendig und sinnvoll sein, dass das gesamte Team sich mit diesem Thema auseinandersetzt, um für die Frauen eine entsprechende traumasensible Pflege- und Beratungsplanung zu erstellen. Dazu bietet Paula e. V. Unterstützung in Form von Supervisionen, der beratenden Teilnahme an Teamsitzungen und Pflegeplanungsgesprächen an. Für Mitarbeitende in der Alten-, Gesundheits- und gerontopsychiatrischen Pflege, für leitende Fachkräfte und Mitarbeiter*innen aus Frauen- und Seniorenberatungsstellen werden Fortbildungen, Vorträge, Workshops und Informationsveranstaltungen angeboten.

Die Beratungsstelle erhält keine öffentliche Förderung und finanziert sich über Beiträge, Honorare, Spenden- und Stiftungsgelder.

Projektarbeit

Von 2013 bis 2015 führte Paula e. V. das vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA NRW) geförderte Projekt „Bedarfsgerechte Unterstützung für von Gewalt betroffene oder traumatisierte ältere bis hochaltrige Frauen in Form von Konzeptentwicklung für traumasensible Begleitung, Beratung, Pflege und Therapie“ durch.
Im Rahmen des Projektes wurden Fort-, Aus- und Weiterbildungskonzepte für Berater*innen, Begleiter*innen, Berater*innen aus der Hospiz- und Demenzarbeit, Psycho- und somatische Therapeut*innen und für Pflegende aus Alten- und Gesundheitshilfe entwickelt und modellhaft erprobt. Das Augenmerk lag darauf, die adäquate Unterstützung von älteren Frauen mit all ihren vielfältigen kulturellen, religiösen und sozialen Hintergründen und Identitäten gezielt zu entwickeln und zu begünstigen, z.B. für Frauen mit Migrations-, Flucht- oder Verfolgungshintergrund, lesbische und bisexuelle Frauen, Transsexuelle und Transgender. Erarbeitet wurden die Ergebnisse von einem Qualitätszirkel, der mit den verschiedenen Professionen aus den Bereichen Psychologie (Psychotraumatologie, Traumatherapie), Pflegepraxis sowie Bildungsmanagement besetzt war.

Ab Frühjahr 2017 ist Paula e. V. in das vom Gesundheitsministerium NRW geförderte Projekt „Zielgruppen im Quartier – Modellhafte Umsetzungen kultursensibler, gendergerechter, inklusiver und traumasensibler Quartierskonzepte für eine zielgruppenadäquate Versorgung älterer Menschen“ eingebunden.
Im Rahmen dieses Projektes werden gemeinsam mit potentiellen Kund*innen und Anbieter*innen von Pflegedienstleistungen, aber auch mit der privaten und der gemeinnützigen Bauwirtschaft (dabei u.a. für Wohnungsbaugenossenschaften, die sich im Bereich Betreuter Wohnanlagen engagieren) und gemeinsam mit lokalen im Quartier ansässigen Einrichtungen, Vereinen, Verbänden und Organisationen neue gender- und behindertengerechte, traumasensible und kulturell angepasste Dienstleistungen sowie Wohn- und Betreuungseinrichtungen konzipiert, die die Spezifika der einzelnen Sozialräume in den Fokus nehmen. Neben der Bedarfserfassung und konzeptionellen Umsetzungsvorbereitung der baulichen Maßnahmen besteht ein zweiter wesentlicher Projektinhalt in der zielgruppenadäquaten (Weiter-) Entwicklung von neuen gender- und behindertengerechten, traumasensiblen und kulturell angepassten Dienstleistungs-Angeboten für ältere Menschen in den beteiligten Quartieren.

Verbesserung der Situation älterer und hochaltriger Männer

Seit 2016 beschäftigt sich Paula e.V. auch mit der Verbesserung der Situation traumatisierter alter und hochaltriger Männer. Im Auftrag des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen hat Paula e. V. eine wissenschaftliche Studie zur Erhebung der Bedarfe traumatisierter älterer bis hochaltriger Männer sowie zur Erfassung von bestehenden Angeboten im Land NRW zu traumasensibler Beratung und Unterstützung durchgeführt. Die Studie soll in Kürze vom Gesundheitsministerium NRW veröffentlicht werden.